Lehm-Bautechnik

Wiederentdeckung eines uralten Baustoffes

Auf Lehm als Baustoff verlassen sich die Menschen seit Jahrtausenden. Überall auf der Welt finden sich Zeugnisse einer vielfältigen und reichen Lehmbau-Kultur. Das größte Lehmgebäude der Welt war die Zitadelle der iranischen Stadt Bam.

Man unterscheidet zwischen zwei Grundarten der Lehmbauweise: dem Traggerippe-Bau, bei dem ein Holzgerippe mit Lehm ausgefacht (verputzt) wird und dem Massivbau, den man in Lehmsteinbau, -stampfbau und -wellerbau unterteilt.

Als Baumaterial geriet Lehm immer mehr in Vergessenheit und wurde durch „moderne“ Baustoffe verdrängt. Jedoch ist Lehm in der Denkmalpflege unersetzlich geblieben. In den letzten Jahren entdecken immer mehr Architekten den Baustoff neu. Es gibt heute viele innovative Produkt- und Anwendungsmöglichkeiten für das Material: von der Lehmbauplatte über Lehmputz und -farbe bis zum Estrich und Wandheizsystem.

Zusammensetzung des Baustoffs

Lehm ist eine Mischung aus Sand, Schluff (Feinsand) und Ton, die feucht in Form gebracht und dann getrocknet werden. Wenn der Lehm zu viel Sand enthält, wird er bröckelig; zu viel Ton bewirkt, dass er Risse bekommt.

In vielen Gegenden wird dem Lehm Stroh zugesetzt, was die Wärmedämmung verbessert und der Rissbildung entgegenwirkt.

Teilweise wird auch Kuhdung oder Pferdemist beigemischt, was die Haltbarkeit verbessert. Eine Zugabe von Kalk wirkt hierbei als Desinfektionsmittel und neutralisiert die Säuren zu Salzen.

Vorteile von Lehm

Gegenüber Zement hat Lehm einige sehr positive Eigenschaften, die ihn für das ökologische Bauen interessant machen.

  • Lehm reguliert die Luftfeuchtigkeit und ist diffusionsfähig.

Dadurch trägt Lehm zu einem gesunden Raumklima bei. Durch konstante relative Luftfeuchtigkeit von 45 bis 55 Prozent wird ein Austrocknen der Schleimhäute verhindert sowie  Feinstaubbildung reduziert und damit Erkältungskrankheiten vorgebeugt.

  • Lehm speichert Wärme.

Lehm ist ein schwerer Baustoff. Er trägt durch Wärmespeicherung zur Verbesserung des Wohnklimas und bei passiver Sonnenenergienutzung zur Energiespeicherung bei.

  • Lehm eignet sich für den Selbstbau.

Wer den Arbeitseinsatz nicht scheut, kann unter fachkundiger Anleitung viele Tätigkeiten selbst ausführen. Beispiele: Lehmsteine herstellen, Mörtel und Putze herstellen, Steine vermauern, Verputzarbeiten ausführen.

Weitere Vorteile:

  • Lehm ist schadstofffrei und hautfreundlich. Ein Vorteil besonders für Allergiker!
  • Zum Aufbereiten und Verarbeiten wird sehr wenig Primärenergie benötigt
  • Lehm bindet Schadstoffe
  • Lehm ist vollständig recycelbar
  • Lehm konserviert Holz
  • Trockener Lehm wirkt antibakteriell und abweisend gegen Schädlinge
  • Gute Abschirmung gegen Elektrosmog

 



Lehm

Zitadelle von Bam, Iran

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Lehm als Baustoff

Lehm als Baustoff